x Roachware: Schnellspritzer

Montag, 22. November 2010

Schnellspritzer

Rorschach

Bucephalus ist ein Amerikanischer Spieleproduzent, der seit 2008 im Markt ist. Auffällig wurde Bucephalus gleich zum Start, als der Verlag mutig gleich 38 Spiele auf einmal präsentierte. Zumindest seit 2009 steht Bucephalus auch auf den Internationalen Spieltagen.

Das Programm von Bucephalus ist ziemlich weit gefächert. Schnelle, leichte Spiele sind hier genauso zu finden wie Spiele, die auch gut als "Eurogame" durchgehen würden. Und natürlich auch Partyspiele. Bucephalus verwendet hierfür bei Rorschach Tintenflecke, die an die des berühmt-berüchtigten Rorschach-Tests erinnern. Allerdings sind hier alle Tafeln zweifarbig scharz-weiß, während die Originalkarten farbig sind. Auch wenn auf Wikipedia (siehe voriger Link) der Satz mit den zehn Originalkarten von Hermann Rorschach abgebildet werden: eigentlich sehen Psychoanalytiker es gar nicht gerne, wenn die 'echten' Tintenflecke publiziert werden, weil so die Testresultate verfälscht würden - deshalb wird man auch in den 'Testknack-Büchern' oftmals irreführende Bilder sehen, und auch Bucephalus durfte natürlich nicht die Originalbilder (aus keiner der mittlerweile mehreren Reihen) verwenden.

Die Schachtel ist klein, aber ziemlich voll. Es gibt kaum noch Luft darin, denn man findet hier:

  • 50 Karten, die doppelseitig mit Rorschach-artigen Tintenflecken bedeckt sind
  • 50 Karten mit Fragen
  • acht achtseitige Würfel in verschiedenen Farben
  • 64 Wertungschips in den Würfelfarben
  • sieben hölzerne Zahlenchips mit den Zahlen eins bis sieben
  • eine Spielregel

Die Würfel sind das, was ein Rollenspieler als 'solids' bezeichnen würde: Plastikwürfel in einer Farbe mit bzw. schwarzen Ziffern. Die Wertungschips sind ebenfalls aus Plastik. Die Karten wirken sehr solide, auch wenn man nach dem ersten Auspacken erst einmal die Karten durchblättern sollte, um sie wirklich voneinander zu trennen: sie kleben stark an den Rändern zusammen. Ansonsten sind sie entweder sehr gut laminiert oder bestehen gar aus Plastik - eine entsprechende Frage beantwortete Bucephalus nicht kurzfristig.

Man legt zunächst einmal (Anzahl der Spieler minus 1) Karten mit Tintenflecken aus, zu jeder Karte kommt ein Zahlenchip. Anschließend wird aus den gemischten Fragekarten eine Frage gestellt ("Was sieht am ehesten so aus, als würde es Dich fressen wollen?" - "Was sieht am zerbrechlichsten aus?" etc.) und jeder Spieler wählt eine Karte aus, die er (verdeckt) mit seinem Würfel angibt. Wenn alle Spieler gewählt haben, wird aufgedeckt. Ziel ist es, so weit wie möglich Übereinstimmungen mit den Mitspielern zu haben: man erhält einen Chip in jeder Farbe eines Mitspielers, mit dem man übereinstimmte. Allerdings nur beim ersten Mal - zusätzliche Übereinstimmungen helfen einem nicht mehr weiter. Wer mit keinem anderen Mitspieler übereinstimmt, erhält einen Chip in der eigenen Farbe. Dann kommt die nächste Frage zu denselben Tintenklecksen.

Wer als erster Chips in allen Farben der Mispieler (und der eigenen) besitzt, hat gewonnen. Wenn dies mehreren Spielern in derselben Runde gelingt, teilen diese sich den Sieg. Das geschieht gar nicht mal selten, schließlich erhält ja der Mitspieler, der zuletzt mit dem Sieger übereingestimmt hat, auch einen Chip in der Farbe des Siegers, was oftmals ebenfalls den Set komplettiert.

Interessant und als Partyspiel geeignet wird das ganze dadurch, dass man nach jeder Fragerunde darüber diskutieren soll (und oftmals auch unvermeidlich damit beginnt) weshalb die einzelnen Mitspieler einen bestimmten Tintenfleck gewählt haben. Der Effekt ist, dass das Spiel sehr kommunikativ wird, und mich deutlich an 'Apples to Apples' bzw. 'Äpfel zu Äpfeln' erinnert, auch wenn der Mechanismus weit entfernt zu sein scheint. Allerdings ist das Gelächter bei den Äpfeln in der Regel doch deutlich größer.

Das Kennenlernen der Mitspieler mit den Tintenflecken ist sehr interessant, und das Spiel hat Potential - wären da nicht zwei kleine Probleme, die aber zumindest teilweise umgangen werden können.

Zum einen kann man ziemlich schnell erraten, was die Mitspieler denken, weil die Tintenflecke immer dieselben sind - der Effekt, vor dem die Psychologen bei den Persönlichkeitstests warnen, ist hier gut nachzuvollziehen. In der Spielregel wird vorgeschlagen, in jeder Runde eine Karte auszutauschen, was die Varaition etwas größer macht. Ich würde sogar empfehlen, noch mehr Karten in jeder Runde zu ersetzen, um die Auswahl größer zu machen.

Zum zweiten ist das Spiel meist sehr schnell vorbei. Das Spiel dauert minimal nur zwei Runden - eine, um den eigenen Chip zu gewinnen, und eine, in der alle Spieler dasselbe Bild wählen. Meist geschieht das wzwar nicht, aber drie bis fünf Runden sind eine normale Spieldauer. Das Spiel könnte eine längere Spieldauer gut vertragen, weil man so seine Mitspieler dann doch nicht kennen lernt.



Ich bin zugegebenermaßen kein großer Fan von Partyspielen, aber ich muss zugeben - wenn man von den genannten zwei Schwachstellen absieht, hat das Spiel Potential. Mit entsprechenden Hausregeln und evtl. zusätzlichen Chips für mehr Mitspieler könnte das Spiel sich als guter Eisbrecher bei mittelgroßen Parties erweisen.

Produzent Bucephalus Games
Autor Jeremy Holcomb; Joseph Huber (II); Stephen McLaughlin; Dan Tibbles
Spieler 3-8
Denken 7
Glück 4
Geschicklichkeit 0
Preis ca. 15,99 €