x Roachware: Flaschenjongleure

Montag, 14. Februar 2011

Flaschenjongleure

Last Call

Issaquah ist eine Stadt im US-Bundesstaat Washington, im King County, und für amerikanische Verhältnisse als Kleinstadt einzustufen. Aber Issaquah wächst schnell: beid er letzten Volkszählung im Jahre 2000 ergab sich eine Einwohnerzahl von 11.212, aktuell sind es laut Wikipedia aber schon 24.930 Einwohner.

Was ist das Besondere an einer auf den ersten Blick so unscheinbaren amerikanischen Stadt? Nun, es ist nicht so sehr die Nähe zu Redmond und Seattle (13 bzw. 27 km), noch die Tatsache, dass Boeing, Costco, Microsoft, Siemens Medical Solutions und einige andere hier Stützpunkte haben - für dieses Blog noch wichtiger dürfte sein, dass hier auch das Hauptquartier von Wattsalpoag Games ist, dem amerikanischen Herausgeber, dessen Name einen meist in erster Linie an Australien denken lässt. In wirklichkeit ist der Name ein Acronym für "With All This Talent Sitting Around, Let's Put Out A Game!" - und eines der Spiele ist Last Call, ein Spiel nicht nur für Bartender.


In einer länglichen, blauen Dose findet man die folgenden Teile:
  • 75 Drink-Karten
  • 6 Barkeeper-Platten
  • 48 Barkeeper-Karten (6 je Barkeeper)
  • 40 Eiswürfel (... hmm... Eiswürfel - wie hieß der Ort nochmal? Issaquah - hat das etwa etwas mit ihm hier zu tun?)
  • 5 Untersetzer und 5 dazu passende Barmarken
  • 24 Spirituosenflaschen, 4x6 Flaschen
  • Flaschenetiketten
  • Spielanleitung

Die Eiswürfel und die Spirituosenflaschen bestehen aus Plastik, wobei die Eiswürfel tatsächlich dazu verleiten, sie sich in die Cola zu tun, während die Flaschen ... nunja, Standard-Flaschenform haben. Sie erinnern von der Form her an die Glocke, mit der in England die letzte Runde vor Kneipenschluss eingeläutet wird. Was allerdings gar nicht so schlecht ist, denn so ist die Chance gering, dass die Flaschen während des Spiels umfallen. Die Etiketten muss man noch auf die Flaschen kleben, was bei 'motorisch herausgeforderten' Spielern Probleme verursachen kann. Da auch ich eher mit zwei linken Händen ausgestattet bin, fände ich es schöner, wenn die Flaschen bereits beklebt wären. Wenigstens muss man das nur einmal tun...


Das übrige Material ist angenehm und stabil, die Untersetzer machen den Einsruck echter Bierdeckel, sind aber deutlich kleiner. Die Spielregel - die man hier als Prepress-PDF (also mit Druck- und Schneidemarken) herunterladen kann, enthält die Regeln in Englisch, Deutsch und Französisch.

Zwei bis fünf Spieler versuchen, insgesamt vier Drinks von den Barkeepern zu erhalten, die bei ihnen von den Kunden auf dem Weg über die Drink-Karten bestellt wurden. Hierzu sind die Drink-Karten verteilt in 15 Shooter (2 Flaschen), 20 Martinis (3 Flaschen), 20 Highballs (4 Flaschen) und 20 Cocktails 'Spezial' (5 Flaschen), wobei die Flaschen auf einer Karte nicht alle unterschiedlich sein müssen. Diese Begriffe sind natürlich reines 'Dungeon-Dressing', ein Shooter kann im realen Leben ohne weiteres auch aus mehr als zwei Spirituosen bestehen, ein Highball besteht üblicherweise aus einer Spirituose und einer nichtalkoholischen Basis, und ein Martini (im weiteren Sinne) zeichnet sich eher durch die Form des Glases aus als durch die beteiligten Alkoholika. Hier werden die Begriffe aber einfach verwendet um die verschiedenen Schwierigkeitsgrade der Drinks auseinanderzuhalten.

Schwierigkeitsgrade? Ja, denn die Drinks müssen mit den Flaschen 'gebaut' werden, die auf die Bartender verteilt sind und die im Laufe des Spiels von den Spielern zwischen den Bartendern hin- und hergeschoben werden. Hierzu übernimmt immer einer der Spieler die Rolle des 'Kartengebers': aus den gemischten Barkeeper-Karten legt er einzeln und einigermaßen langsam immer die oberste Karte zum dazugehörigen Barkeeper. Wenn ein anderer(!) Spieler bei zwei Barkeepern, zwischen denen er eine Flasche verschieben will, Karten sieht, kann er eine 'Bestellung' ausrufen, dann werden die Karten bei den beiden beteiligten Barkeepern weggenommen (und auf den Ablagestapel gelegt) und genau eine Flasche von einem der beiden Keeper zum anderen umgestellt. Hiermit kommt ziemlich schnell die ursprüngliche Ordnung (jeder Barkeeper hat zu Beginn die vier Flaschen einer Getränkeart) abhanden, und man sucht als Spieler ständig, welche Keeper zufällig gerade die Flaschenkombinationen haben, die man für einen der bestellten Drinks benötigt. Sobald eine Flasche bewegt wurde, wird der Spieler, der die Bewegung durchführte, zum neuen Kartengeber.

Wenn ein Keeper nach einer Bestellung genau die richtige Kombination Flaschen vor sich stehen hat - oder nicht zu viele überflüssige Flaschen zusätzlich -, kann man einen Drink mixen lassen: man erhält einen Eiswürfel für jede zusätzliche Flasche, die der Keeper noch vor sich stehen hat als Minuspunkt.

Gleichzeitig rangeln die Spieler um eine möglichst günstige Ausgangsposition im Endspiel. Hierfür werden die Barmarker zu Spielbeginn in eine zufällige Reihenfolge gelegt, und jedesmal, wenn eine Flasche verschoben wird, wird der Marker des Spielers, der die Bestellung ausrief, ans Ende der Reihe geschoben.

Das Endspiel beginnt, sobald ein Spieler seinen letzten Drink mixen lassen konnte. Reihum, in Reihenfolge ihrer Barmarker, müssen dann die übrigen Spieler ihre Drinks mixen und ebenfalls abrechnen. Allerdings darf man jetzt Flaschen beliebig zwischen den Barkeepern bewegen, kassiert aber für jede bewegte Flasche, genau wie immer noch für jede Flasche zuviel beim Barkeeper, einen Eiswürfel. Wenn alle Spieler abgerechnet haben, gewinnt der Spieler mit den wenigsten Eiswürfeln, bei Gleichstand gewinnt der Spieler, der vor dem anderen abrechnen konnte.

Beim Endspiel kann es interessant sein zu wissen, ob jemand eine bestimmte Kombination von Drinks nötig hat - bei der Abrechnung der eigenen Getränke ist es schließlich gleich teuer, einen Drink vom Barkeeper an einen anderen zu geben wie ihn stehen zu lassen. Wer also aufgepasst hat, kann hier die Mitspieler noch ein wenig ärgern.

Abgesehen hiervon ist das Spiel aber ein eher glücksbetontes Spiel, bei dem schnelle Auffassungssgabe und das Sehen von Flaschenkombinationen wichtiger sind als langfristige Planung - die doch bei der nächsten Bestellung schon wieder umgeworfen werden kann. Die auf dem Spiel angegebene Dauer von 15-30 Minuten ist ziemlich korrekt bemessen - die Testrunden blieben meistens ein kleines bisschen unter den 30 Minuten, was aber auch davon abhängig ist, wie schnell die Kartengeber die Barkeerper-Karten verteilen.

Alles in allem ein Unterhaltungsspiel für Gelegenheitsspieler - der Intensivspieler wird die taktischen und strategischen Möglichkeiten vermissen. Aber für kleine Parties oder als 'Absacker' oder 'Aperitif' ist es ganz nett.

HerstellerWattsalpoag
Autor Kris Gould
Spieler 2-5
Denken 4
Glück 8
Geschicklichkeit 0 (Aber: Zusammenbau der Flaschen)
Preis ca. 24 €