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Freitag, 3. April 2009

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Freelancer: Hexxagon (Erstverkaufstag)

Es gibt Begriffe, die kennt man, aber nahezu jeder versteht sie falsch. Und es gibt Begriffe, die klingen ungewohnt, obwohl man das Phänomen an sich (meint) zu kennen. Beide Situationen kann man in fast der kompletten westlichen Welt sehen, sobald es um Japan und japanische Kultur geht. Typische Fälle hierfür sind Begriffe wie Manga, Anime, Kabuki, Noh oder Tokusatsu.

Toku- was? Das ist wohl bei den meisten die typische Reaktion auf das letzte, obwohl ein paar Tokusatsu-Serien und -Filme auch im Westen bekannt sind. Die im Westen bekanntesten Tokusatsu dürften wohl Godzilla (Gojira) und die Mighty Morphing Power Rangers (Kyōryū Sentai Zyuranger, eigentlich die sechzehnte Saison der Super Sentai) sein. Gerade die letzten sorgen dafür, dass Tokusatsu eher als 'Kinderkram' angesehen werden, genau wie Anime. Und genau wie man bei Anime mit Produkten wie Serial Experiments Lain oder Now and Then, Here and There völig falsch liegt, wenn man Kinder als das Zielpublikum annimmt, so gilt dasselbe auch für Tokusatsu - zum Beispiel wäre die Gekko-Kamen-Parodie Kekko Kamen in Amerika sicher X-rated, während ich mir die Live-Action-Filme in Deutschland auch bestenfalls als 'ab 16', eher 'ab 18' vorstellen könnte. Kein Wunder also, dass es auch das eine oder andere Rollenspielsystem gibt, das das besondere Flair dieser Serien einzufangen versucht - wie zum Beispiel die Freelancer-Serie.

Der Name des 'Grundregelwerkes' Freelancer: Hexxagon ist zu verstehen wie die Namen der Kamen-Rider-Serien: Kamen Rider / Freelancer ist die Franchise, Black / Hibiki / 555 / Den-o (Kamen Rider) und Hexxagon sind Namen von einzelnen Serien / Kampagnen, die bei Kamen Rider nach den wechselnden maskierten Motorradfahrern, bei Freelancer nach dem Hauptgegner benannt werden.

Überhaupt dürften die verschiedenen Kamen-Rider-Serien, wenn man sie denn findet, eine gute Ausgangsbasis für das Verständnis von Freelancer sein, mehr noch als Power Rangers, da letztere eben viel stärker (durch die Amerikanische Produktion) auf zuschauende Kinder ausgerichtet sind. Die Spielercharaktere formen ein loser zusammenhängendes Team als die Rangers, oder auch als Kamen Rider 1 und 2, auch wenn der Hintergrund der Charaktere einander in gewisser Weise ähnelt. Außerdem darf man nicht vergessen, dss der Begriff 'Henshin' für die Verwandlung und die verwandelte Form eigenlich so nur bei Kamen Rider verwendet wird - andere Serien benutzen etwas andere Begriffe.

Ohne zuviel verraten zu wollen - die Erforschung des Unbekannten spielt immerhin eine Hauptrolle bei Freelancer - kann man schon verraten, dass die Spielercharaktere Menschen sind, die aus irgendeinem Grund besondere Fähigkeiten haben - die das Schicksal sozusagen nach ihren eingenen Wünschen verbiegen können. Es gibt eine Organisation, die solchen Menschen eine Basis bietet, Ausbildung und Ressourcen - für viele Fähigkeiten benötigt man einen 'magischen' Gegenstand, der einem die Verwandlung in eine andere Form (die Henshin-Form) gestattet. Wie so eine Verwandlung aussieht, kann man auf dem Bild links sehen, das auch auf der Freelancer-Webseite zu finden ist. Wer seine Macht missbraucht, kann auch von der Organisation ausgestoßen werden, und da sie die 'magischen Gegenstände' nur verleiht, will sie sie dann auch wieder zurück haben. Allerdings ist sie auch gewillt, sich einvernehmlich von Mitarbeitern zu trennen - mit der Maßgabe, dass diese Mitarbeiter den Gegenstand leihweise behalten dürfen, aber als 'Mietgebühr' hin und wieder von der Organisation zu Hilfe gerufen werden können. Sie sind dann also keine Angestellten mehr, sondern Freelancer - daher auch der Name des Spiels.

Da man davon ausgeht, dass die Charaktere bereits einige Zeit direkt für die Organisation gearbeitet haben, beginnt man auch nicht mehr als totaler Neuling, sondern mit einigen Fähigkeiten - so hat man zum Beispiel bereits zwei Formen zur Verfügung, in die man sich verwandeln kann, was im Laufe eines stufenbasierten Lebens noch weiter ausgebaut werden kann, sowohl, was die Fähigkeiten der einzelnen Formen angeht, aber auch, was die Zahl der möglichen Formen selbst angeht.

Erschaffen werden die Charaktere mit einem Punktekauf-System das ziemlich einfach und linear strukturiert ist. Wichtig ist vor allem, dass man nicht mit Punkten besondere Fertigkeiten oder so kauft, die gehen (großteils) mit den Henshin-Formen gekoppelt, und sehen ziemlich gut ausgewogen aus. Die bei Freelancer: Hexxagon verfügbaren Henshin-Gestalten haben alle einen Fantasy-Einschlag weil... aber mehr will ich hier nicht verraten, denn das Geheimnis ist Teil der Kampagne gegen Hexxagon.

Ser Stufenaufstieg ist ziemlich funktional gehalten. In der Kampagne (s.u.) wird davon ausgegangen, dass die Charaktere jeweils nach der Erforschung / Leerung eines Levels eine Stufe aufsteigen. Es gibt also keine ausdrücklichen punktebasierten oder wie auch immer Regelungen. Einem Veteranen mögen sich bei diesem Gedanken die Zehennägel aufstellen, aber die Regel passt gut zum Stil des ganzen Spiels.

Auch ansonsten sind die Regeln kurz, einfach und knackig gehalten. Eine Probe wird mit einem zwanzigseitigen Würfel geworfen, zu dem dann noch Eingenschaftswerte addiert werden. Das Ziel ist es, eine bestimmte Schwierigkeit zu überwürfeln. Alles ganz einfach unf funktional, und auch einem Neuling schnell erklärt.

Die Welt der Freelancer ähnelt der unsrigen verblüffend, aber es gibt einige kleine, aber bedeutende Abweichungen. So wird die Erde wesentlich häufiger durch Kometen und Kleinstplaetoide u.ä. getroffen, und irgendwann ist so ein Teil auch genau dort gelandet, wo bei uns die Kölner Messe steht - halbwegs ironisch, wenn man bedenkt, dass Freelancer ausgerechnet auf der RPC in selbiger Messe an den Start geht. Statt der Messe ist hier ein Park, und ein Teich, und viel Abenteuermaterial.

Der große Gegner heißt, wie oben bereits gesagt, Hexxagon - das doppelte "x" ist kein Tippfehler meinerseits. Er hat beschlossen, mit der Welt ein Spiel zu spielen, und seine Festung in mehreren Ebenen gesichert. Um in eine Ebene zu gelangen, benötigt man einen Schlüssel, der irgendwo in der näheren oder weiteren Umgebung liegt. Wenn man dann in die Ebene gelangt, findet man an ihrem Ende, wenn man sich durch alle Fallen und Monster hindurchgekämpft hat, wieder einen Hinweis, wo der Schlüssel für die nächste Ebene zu finden ist.

Da man außerhalb von Hexxagons Festung in der Henshin-Form nur unnötiges Aufsehen erregt, wechseln so eher erzählerisch-"rollen"spielerische Episoden (die Suche nach den Schlüsseln) sich ab mit taktisch-ARS-mäßigen Szenen.

Das klingt jetzt schräger als es sich im Endeffekt spielt, die Übergänge zwischen den verschiedenen Spielrichtungen stören kaum, und man findet sich überraschend schnell in die verschiedenen Möglichkeiten. Das ganze Spiel ist so aufgebaut, dass es schnell und fließend geht, aber dennoch ist der taktische ('Kampf-')Teil recht nett gemacht. Man wird nicht so sehr in Rollenschemata gedrängt wie bei D&D4 oder einem MMORPG, vor allem auch dadurch, dass man mehrere Henshin-Formen zur Verfügung hat. Je nach Wahl der Formen kann man also (im MMORPG-Deutsch) zwischen verschiedenen Rollen wechseln - wenn man beinahe am Boden ist, weil man zuviel als Tank aktiv war, verwandelt man sich eben in einen Damage Dealer oder einen Healer.

Nett sind auch die vielfältigen, aber zusammenpassenden Gründe, warum die Freelancer in der Öffentlichkeit lieber nicht in ihren Henshin-Formen herumlaufen - und nein: die Erhaltung einer Geheimidentität, zum Beispiel um die Familie zu schützen, gehört nicht dzu.

Es gäbe noch eine ganze Menge mehr zu erzählen, es ist kaum zu glauben, was alles in ein Regelwerk von 160Seiten incl. einer kompletten Kampagne (aber ohne Index) passt. Das Regelwerk ist mit Zeichnungen im Manga-Stil hervorragend illustriert und vollfarbig. Allerdings kommen mir manche Figuren seltsam vertraut vor. Bei den Archetypen (vorgefertigten Charakteren zum Sofort-Losspielen) sieht mE der Barde/Kampfmagier aus wie Elvis, und der Paladin/Kämpfer hat nicht von ungefähr eine gewisse Ähnlichkeit mit einem jungen Terry Bollea, äh, Hulk Hogan.

Das einzige was man zum Spielen noch benötigt, sind Würfel, Stifte und Charakterbögen: im Buch sind keine Kopiervorlagen zu finden. Aber dafür kann man auf der Webseite eine dreiseitige PDF-Datei herunterladen, in der der Bogen in drei Versionen zu finden ist: als vollfarbiger Bogen, als Bogen in Graustufen, aber mit Freelancer-Schmuck, und als nüchternes Graustufen-Blatt ohne Verzierungen.

HerstellerUlisses Spiele

Autor

Christian Lonsing

Spieler

RPG

Denken

n/a

Glück

n/a

Geschicklichkeit

n/a

Preis ca.

29,99 € (Buchpreisbindung)

Anzeige Freelancer: Hexxagon ist zum Beispiel erhältlich über den Pegasus-Webshop