x Roachware: Gin-Schwimmen

Dienstag, 8. Dezember 2009

Gin-Schwimmen

Chairman of the Board

Auf den Internationalen Spieltagen in Essen kommen Herausgeber aus vielen Ländern zusammen, nicht nur aus den bekannten spieleproduzierenden Ländern wie Deutschland, den USA, den Niederlanden oder Italien. Eine eher seltene Nationalität auf den Spieltagen dürfte aber wohl 'Irisch' sein.

Von der Grünen Insel kam aber auch Peca Games, die ihr Spiel Chairman of the Board vorstellten. Das Spiel lockt mit einemn Cover, auf dem eine Hand mit einer rauchenden Pistole vor einem Gemälde eines (vermutlichen) Vorstandsmitgliedes einer großen Firma zu sehen ist. Daneben der Slogan "Will You Survive the Boardroom?"

Im Innern der Spieledose sieht es dann etwas nüchterner aus. Zum Spiel gehören:

  • ein Spielbrett
  • ein Kartenspiel mit sechs Jokern
  • 6 Veto-Karten
  • 6 Markierungssteine
  • ein dünnes Rehelheftchen
  • 32 'Firmenaktien' mit Werten von 15.000 bis 50.000
  • 120 'persönliche Aktien', je zur Hälfte im Wert von 10.000 und 5.000

Es wird nirgendwo gesagt in welcher Währung oder Einheit diese Anteile zu sehen sind, für die Übersichtlichkeit verwende ich im folgenden den Euro.

Die Spielregel ist auf Englisch, und es gibt auch keine Deutsche Version zum Download, allerdings ist die Spielregel ziemlich einfach geschrieben und sollte daher aucvh mit Schulenglisch verständlich sein.

Das übrige Material ist gut gearbeitet, auch wenn die 'Anteilsscheine' ziemloich dünn daherkommen und gerne etwas stabiler gekonnt hätten.

Ziel des Spiels ist es, als erster den Weg über alle Beförderungen hin zu machen und so den (verschwundenen) Vorstandsvorsitzenden zu ersetzen. Die anderen Spieler werden hierbei alles tun, damit sie Vorsitzender anstelle des Vorsitzenden werden können.

Diese ganze Beförderungs- und Geldsammelorgie erfolgt mit Hilfe ... nein, nicht einer aufwändigen Wirtschaftssimulation, sondern mit einem ziemlich einfachen Kartenspiel.

Zu Beginn einer Runde erhält jeder Spieler vier Karten aus dem 52er-Kartendeck (die Joker we5rden nicht mitgemischt). Von diesen karten wählt der Spieler dann eine (die sog. 'Schlüsselkarte') aus, mit der er angibt, wie viele Felder sein Marker auf dem Außenring vorwärts ziehen soll, wenn er die folgende Kartenspielrunde gewinnt.

Mit den übrigen drei karten jedes Spielers und einer umgedrehten Karte wird dann ein Spiel gespielt, das wie eine Mischung auis Gin Rummy und Schwimmen (auch bekannt als Knack, Schnautz, Bull etc.). Ziel ist es, eine so hoch mögliche Summe von Karten einer Farbe zu erreichen: da Asse 1 oder 11 Zählen (für die Zwecke des Spiels ist 11 allerdings die einzig sinnvolle Größe, außer als Schlüsselkarte), Bildkarten 10 und alle andere Karten den aufgedruckten Wert, ist das erreichbare Maximum 31. Wer an der Reohe ist, darf nach Wahl eine ausliegende Karten (von einem Abwurfstapel) oder die oberste eines verdeckten Stapels ziehen, wie bei (Gin) Rummy. Anschließend legt der Spieler wieder eine Karte ab und darf zu diesem Zeitpunkt auch die Runde abschließen. Wer dann die meisten Punkte in einer Farbe auf der Hand hat, darf seinen Spielstein so viele Felder weiter ziehen wie seine Schlüsselkarte anzeigt, und erhält die zu diesem Feld gehörende Firmenaktie, wenn sie nicht bereits von einem anderen Spieler erworben wurde. Außerdem erhält der Spieler von dem mit der niedrigsten Summe genau so viel in 'persönlichen Aktien' wie er an Firmenaktien erhielt. Wenn der Rundensieger nicht der Spieler ist, der die Runde angeschlossen hatte, muss letzterer ebenfalls genauso viele persönliche Aktien an den Sieger abgeben.

Wenn es zwei Sieger gibt, gewinnt der, der die Runde abgeschlossen hat; wenn dieser Spieler nicht die meisten Punkte hat, gewinnt der von den Spielern mit Höchstpunktzahl, der im Uhrzeigersinn als erster auf den Geber folgt. Wenn mehrere Spieler die niedrigste Summe haben, zahlen sie alle an den Spieler mit der Höchstsumme.

Sobald ein Spieler 100.000 Firmenaktien in Händen hält, kommt er in den Bereich der für eine Beförderung vorgesehenen Mitarbeiter. Ab diesem Moment sind für ihn die Firmenaktien uninteressant: diese werden dann auch wieder außen neu ausgelegt. Ab diesem Zeitpunkt erhält der Spieler auch nur noch drei Karten, da er keine Schlüsselkarte mehr benötigt. Siege im Promotions- und späteren Gebieten werden dann nur noch mit persönlichen Aktien (in steigenden Werten) vergütet, sowie mit einer Beförderung zum Manager, Direktor und Vorsitzenden. Das zweite Risiko ist, dass man, wenn man im Innenbereich angekommen ist, mindestens 20.000 persönliche Anteile zahlen muss, wenn der Sieger im Außenbereich steht (bzw. mehr, wenn er durch die Schlüsselkarte auf ein wertvolleres Feld kommt). Wenn jemand im Innenbereich keine persönlichen Aktien mehr hat, scheidet er aus dem Spiel aus.

Wer als erster auf dem Feld des Vorstandsvorsitzenden ankommt, hat gewonnen.

Es gibt noch zwei Karten: die Joker und die Veto-karten, von denen jeder Spieler bei Spielbeginn eine erhält. Jokerkarten können während des Spiels jederzeit zum Handeln mit anderen Spielern eingesetzt werden, sei es im Tausch gegen persönliche oder Firmenanteile, als Erhöhung eines Angebotes usw. Die Veto-Karte kann eine Aktion im Spiel (Ziehen, Geld Aufnehmen, Handel...) blockieren, anschließend wird die Karte aber abgelegt. Eine Veto-Karte kann auch keine andere Veto-Karte verhindern.

Abgesehen von den (sehr selten geschehenden) Handelsaktionen zwischen den Spielern, hat ein Spieler eigentlich nur zwei Möglichkeiten, das Spiel zu beeinflussen: durch die Wahl der Schlüsselkarte, und durch die Kartenspiele. Die Schlüsselkarte ist oftmals relativ leicht gewählt, man muss vor allem aufpassen, dass man nicht auf einem leeren Feld landen kann. Damit bleibt hauptsächlich das Kartenspiel als Siegbedingung übrig.

Während Schwimmen ein nettes Kartenspiel ist (das zumindest zu meiner Zeit noch in Schulpausen gerne und viel gespielt wurde), ist es auch ein Siel, das in dieser massiven Form - und dann noch als "Unterbrechung" eines Brettspiels - schnell langweilig wird. Auch die Rommee-artige Beschränkung auf eione Austauscharte ändert da nicht viel dran. Die Grundidee ist nett, ich finde aber man sollte die Parcoursbedingungen abschwächen - zum Beispiel Beförderung bei 50.000 Aktien, und ein, zwei Felder weniger im Innenbereich -, um das Spiel kürzer zu machen. Damit dauert das Spiel dann statt der 90-120 Minuten, die es in Spieltests bei uns dauerte, 45-60 Minuten, und endet gerade bevor die Wiederholungen spürbar werden.

Noch einfacher wäre es aber, einfach ein Skatspiel herauzuholen, und 'echtes' Schwimmen zu spielen.

HerstellerPeca Games

Autor

Peter O'Carroll

Spieler

2-6 (wegen des Gin-Mechanismus eigtl. ab 3 vernünftig spielbar)

Denken

5

Glück

5

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

€ 25