x Roachware: Es geht rund

Montag, 10. März 2008

Es geht rund

The Circle

Seit FanPro vor beinahe einem Jahr die Produktion von Spielen einstellte, haben einige Leute von dort neue Positionen gefunden. Ein Gutteil der DSA-Mitarbeiter sind bei Ulisses-Spiele gelandet, andere haben ihre eigenen Wege gefunden. So haben beispielsweise Arnfried Klipper, Ralf Berszuck und Folker Jung (kein Tippfehler!) den Verlag c4/creative cell gestartet, der zur letzten Spiel The Circle produzierte.

Schon äußerlich macht das Spiel eine gute Figur: ein schwerer, stabiler Karton enthält Spielsteine aus Holz und Spielmaterial aus so dicker Pappe, dass man sich fragt, ob da evtl. mehrere Pappfiguren aufeinander geklebt sind. Vor dem ersten Spiel muss man diese Pappplättchen 'auspöppeln', wobei man dann merkt, dass die Spielfiguren wirklich so dick sind.

Die Spielregel scheint mit 15 Seiten sogar einigermaßen übersichtlich, wenn man bedenkt, dass sie komplett zweisprachig ist – aber sie hat es in sich.

Jeder der maximal sechs Spieler stellt einen Geheimdienst im Viktorianischen Zeitalter dar – das war die Zeit von Sir Arthur Conan Doyle, Oscar Wilde, Henry Rider Haggard, Charlotte Brontë oder Gilbert und Sullivan. Diesen bis zu sechs Geheimdiensten steht eine internationale Geheimorganisation gegenüber, die ähnlich einem Prof. Moriarty im Hintergrund die Fäden zieht und die Kontrolle über die Welt übernehmen will, der Circle. Der Circle wird nicht durch einen Spieler dargestellt, sondern er erhält seine Erfolge und Punkte als Ergebnis von Aktionen der Spieler.

Die Spieler versuchen, mit Hilfe von Geheimnissen Geheimagenten anzuwerben, um den Circle infiltrieren zu können und ihn so von seinem Tun abzuhalten. Die Geheimnisse stellen so etwas wie eine Währung des Spieles dar – man bezahlt die Agenten und Aktionen mit Geheimnissen, und erhält für in den Circle eingeschleuste Agenten und für verhaftete Circle-Mitglieder Siegpunkte.

Leider wird der Circle selber auch aufmerksam, wenn man Circle-Mitglieder verhaftet, so dass auch er hierfür Siegpunkte erhält. Das Problem ist hierbei natürlich, dass der Circle seine Siegpunkte aus Aktionen aller Spieler erhalten kann, man muss also ständig aufpassen, dass man den Circle nicht ungewollt zu stark macht.

Genauere Einzelheiten über die Agenten-Aktionen kann man der Spielregel entnehmen, eine ausführliche Beschreibung der Möglichkeiten würde den Rahmen sprengen...

Wenn ein Agent etwas getan hat, dauert es einige Zeit, bis er wieder eingesetzt werden kann. Manche Agenten sind schnell wieder auf dem Damm und einsatzbereit, andere benötigen länger. Um dies im Spiel übersichtlich und einfach zu regeln, hat man sich etwas besonderes einfallen lassen: eine 'Uhr' (im Spiel "Zeitrad" genannt). Diese besteht aus einem achteckigen Plättchen und einer Achse in der Mitte, an der man sie anfassen kann. Auf der Uhr sind die Seiten in Reihenfolge van 1 bis 8 durchnummeriert. In jeder Runde sind die Agenten aktiv, die an der Nummer 8 liegen, am Ende der Runde wird die Uhr eine Position weiter gedreht, so dass die Agenten auf Position 1 jetzt aktiv werden, die auf Position 4 nach 3 kommen etc. Durch das Drehen der Uhr vermeidet man ein umständliches Schieben der Agenten, was sonst leicht zu Fehlen führen könnte.

Die Agenten haben viele verschieden Möglichkeiten, was sie tun können, so dass man gut überlegen muss, welche Aktion man durchführen will. Nicht nur deshalb, ist man beim ersten lesen von der Menge der Regeln überwältigt, man kann erst nach ein paar Probespielen wirklich abschätzen, welche Aktion einem was bringt. Bis dahin wird man mehr damit zu tun haben, die Mechanismen und die taktischen Möglichkeiten der Agenten kennen zu lernen.

Interessant ist auch, dass man ständig alle Informationen hat, was die Gegenspieler gerade tun. Es gibt so gut wie kein Zufallselement, und alle aktiven Spielsteine liegen allzeit offen aus, genau wie man auch immer weiss (oder nachsehen kann), wie viele Siegpunkte und Geheimnisse der verschiedenen Arten die Mitspieler gerade haben. Es gibt auch keine verdeckten Aktionen; das einzige, was man nicht weiss, ist, wie sich die Mitspieler in den nächsten Runden verhalten werden.

Nicht nur die bereits genannte Dicke der Spielfiguren ist angenehm, auch die Farbbegung und die Illustrationen sind sehr liebevoll und gut gemacht. Man sollte allerdings den Spieltisch gut beleuchtet haben: bei Kerzenschein sind einige Farben (die zum Beispiel bei Versteigerungen wichtig sein können) nur schwer auseinander zu halten. Die Spielregeln sind nett geschrieben, allerdings enthalten sie manchmal etwas zu viel Fluff an Stellen, wo man ihn nicht brauchen kann: beim Nachschlagen von Regeln während des Spiels und beim Erklären und 'Vorlesen' muss man diese Stellen entsprechend zensiert neu formulieren.

Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, das Spiel ein zweites, drittes Mal zu spielen, denn die erste Runde wird sicher in den Regeln unter gehen. Es ist also nicht gerade ein Spiel für Gelegenheitsspieler, eher für den Spieleprofi. Wenn man sich aber erst einmal eingearbeitet hat, ist es ein wirklich schönes Spiel, das seinen Platz im Spieleschrank sicher verdient hat.

Hersteller

C4 / Creative Cell

Autor

Folker Jung

Grafik

Ralf Berszuck

Spieler

2-6

Denken

8

Glück

1

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

29,95 €

2 Kommentar(e):

Kreisläufer hat gesagt…

Stimmt die URL? Ich kriege keine Verbindung, immer nur Timeouts. :(

The Roach hat gesagt…

Upps. Hatte ich bis jetzt noch nicht gemerk, danke für den Hinweis. Ist jetzt korrigiert.