x Roachware: Neuer Wind in den Segeln

Mittwoch, 30. September 2009

Neuer Wind in den Segeln

Neues zu Privateer

"Alles neu macht Mk II" - so in etwa könnte sich Matt Wilson das wohl gedacht haben, als er Anfang dieses Jahres zum großen "Feldtest" aufrief. Es sollte sich "einiges" ändern, hieß es schon im Vorfeld – immerhin hatte Privateer schon, als sie mit Warmachine überhaupt begannen, den mutigen Entschluss gefasst "nicht die selben Fehler zu machen wie diverse Mitbewerber". Nun war es soweit gekommen, dass – zumindest stellenweise – auch Warmachine/Hordes, den beiden Zugpferden im Programm von Privateer, eben genau das vorgeworfen wurde, von dem sie sich doch so weit distanzieren mochten.

Eine Konsequenz daraus war eine Neuauflage der Regeln, und mit Mk II ändert sich einiges an Warmachine; Prämisse war es, dass das Spiel wieder mehr zum Jackspiel anreizen soll (gerade in Turnieren waren viele Partien doch immer infanterielastiger geworden), und es sollte etwas geben, was in der Tabletopgeschichte in diesem Rahmen bisher einmalig war: Ein Feldtest. Die Spieler konnten sich über das Internet die MK II "Feldtestregeln"herunterladen, damit spielen und dann Kritik üben. Die regeln waren ganz bewusst nicht in Stein gemeißelt, und so war es der Wunsch der Designer, dass eine entsprechend große Gruppe von Testern sich damit befasst – wortwörtlich kam der Aufruf "versucht zu spoilen, dafür ist dieser Test da, damit man irgendwelche Lücken noch stopfen kann, wenn ihr sie findet".

Dieser Ansatz ist einerseits sehr mutig, andererseits wurde er von der Spielerschaft begrüßt, wenn die "Richtung" in die Mk II sich entwickelt auch nicht bei allen auf positive Resonanz stößt. Angenehm empfinden viele, dass Jacks jetzt wieder eine dominante Rolle im Spiel spielen, und auch dass man nicht mehr durch bloßes Verschanzen in schwierigem Gelände vor Sturmangriffen gefeit ist. Eher wenig angetan scheinen die Spieler aber z.B. davon zu sein, dass Infanterietrupps nun nur noch entweder in Minimal- oder Maximalstärke gespielt werden dürfen... ob das ein rein marketingtechnischer Aspekt ist, ist natürlich Spekulation, aber möglich ist das natürlich. Entsprechend gespannt warten nun die Spieler auf den endgültigen Regel-Release.

"Alles neu" geht aber noch weiter. Weitaus größer war nämlich das Entsetzen ob der Ankündigung, dass Privateer nun doch einige Modelle als Plastikbausätze herausbringt. Laut Privateer sind davon keinesfalls Charaktermodelle betroffen, sondern "solche Modelle, die so komplex/massig sind, dass eine Herstellung aus Metall den Verkaufspreis für die Spieler inakzeptabel hochtreiben würde" - darüber ist die Spielerschaft allerdings geteilter Meinung. Einige Hardcore-Metaller hatten schon erwogen, aus dem Spiel auszusteigen, aber da offenbar eher wenige Modelle davon betroffen sind, werden sie wohl mit den übrigen weiterspielen; andere stehen dem Plastik (bspw. wegen Umbauoptionen) eher positiv gegenüber. Auch gibt es nun mit den Myrmidon-Jacks der Retribution einige "Komponenten-Bausätze", mit denen aus derselben Box verschiedene Jacks zusammengesetzt werden können – Nottingham, ich hör dir trapsen? Inwieweit man da per Neodym-Magnet ggf. Komponenten-Modelle basteln kann, ist schon auf einigen Internetseiten zu bewundern.

Ach ja, die Retribution – noch mehr neues kam mit eben dieser Fraktion. Mit der Mk II Edition sollen die Iosischen Elfen und ihre Verbündeten in das geschehen in Caen eingreifen, und da die ersten Modelle durchaus schon erhältlich sind, gab es im No Quarter auch die Mk I Werte dafür – das eigentliche Buch erscheint erst mit den Mk II Regeln (und auch die bisherigen Fraktionen sollen nun doch als Fraktionsbücher erscheinen, wobei die Reihenfolge des Erscheinens durch Spielergebnisse ermittelt werden soll – wir sind gespannt...). Das Design dieser Elfen scheint jedenfalls die Spielerschaft zu polarisieren – einige sind von der Retribution begeistert, andere schwören Stein und Bein die "nie" zu spielen; sicherlich gewöhnungsbedürftig sind die ungewohnt geformten Jacks (und erst recht der "innovative" Anstrich der Studioarmee). Spieltechnisch scheinen sie aber die Balance nach wie vor nicht zu kippen – alle Achtung, denn was Balancing angeht gibt sich Privateer wirklich Mühe, und es gelingt ihnen dadurch auch weit besser, ein gewisses Kräftegleichgewicht zu wahren – was anderen schon seit weit mehr Jahren im Geschäft immer noch nicht gelingen will...

Bleibt abzuwarten, welche Schmankerl Privateer auf der SPIEL diesen Oktober schon am Stand haben wird. Sicherlich werden die Jungs von Privateer – oder deren deutschen Vertrieb, Ulisses – ein wenig Zeit für euch haben, um euch eben all diese Neuerungen nahezubringen, und sicherlich könnt ihr am Stand auch die Miniaturen mal aus der Nähe begutachten.