x Roachware: Reisefieber

Mittwoch, 26. August 2009

Reisefieber

Lucca ist nicht nur eine Stadt in der Toscana, der Name wird auch verwendet für eine eine italienische Börse für Spiele. Diese gibt jedes Jahr einen Preis aus für ein gioco inedito, ein noch nicht herausgegebenes Spiel. Dieses Spiel wird auf der jährlichen Lucca Comica & Games pramiert, unterstützt wird das neben den Veranstaltern der Börse von einer "Editrice S.r.l." aus Perugia (keine Verwandtschaft zu dem Hamburger Da Vinci Spieleverlag). Wegen dieses Verlages (der das Markenrecht am Namen da Vinci für Spiele in Deutschland hält), verkaufen die Italiener in Deutschland unter dem "Kurznamen" dV Games.

Der Taiwaner Din Li, der das Spiel Amerigo entworfen hat, ist mit diesem der erste Nicht-Europäer gewesen, der diesen Preis erhalten hat, nämlich im Jahre 2007. Der Lohn war unter anderem, dass die Editrice das Spiel auflegt. Auf der SPIEL 2009 war es dann zu sehen, und wurde Ende des Jahres dann verkauft.

In der Spieleschachtel findet man 108 Karten, einen Kartenhalter (eine Sache, die ich vor allem bei italienischen Spielen sehe, und die ich sehr angenehm finde), und die Spielregel in Italienisch, Englisch und Chinesisch (ich kann kein Chinesisch, nehme es aber an: auf der Webseite steht die Flagge von Taiwan, allerdings ist Taiwanisch - wie auch Hakka - eine selbständige Sprache, dennoch sieht die Schrift für mich eher Chinesisch aus). Eine Deutsche Spielregel (PDF) kann aber auf der Homepage des Herstellers heruntergeladen werden.

Die Karten stellen Schiffe dar, die Waren transportieren, nämlich

  • 15 Edelstein-
  • 18 Tuch-
  • 21 Antiquitäten-
  • 24 Gewürz-
  • und 30 Kaffeeschiffe

Das Spiel besteht aus zwei Phasen, die man mehrfach durchläuft. Zunächst bringt man seine Schiffe auf die große Reise zu fernen Landen, wo sie Waren besorgen. Dann fahren sie zurück nach Hause, wo die Waren in klingende Münze umgesetzt werden.

Die Karten zeigen auf Vorder- und Rückseite Ruder an, die die Geschwindigkeit der Schiffe angeben. Was sie transportieren, steht nur auf einer Kartenseite. Auf der Rückseite stehen außerdem immer genau drei Ruder und eine Dublone.

Hier gibt es eine interessante Regel: normalerweise ist bei Spielen die Regel, wenn man nicht eine bestimmte Mindesthand hat, dass man verlangen darf, dass das Spiel storniert und neu gegeben wird oder ähnliches (ich denke hierbei zum Beispiel an die Armut beim Doppelkopf). Bei Amerigo darf man bei Unterschreiten der Mindestbedingung (ein Schiff mit mindestens drei Rudern) eine Karte direkt in einen Dukaten umwandeln.

Am Zug kann (und muss) man eine von vier Aktionen ausführen: Segeln, Erforschen, Ausstellen oder Verkaufen.

Segeln kann man immer. Hierzu legt man eine Karte mit Schiff aus, wobei die Schiffe auf den Karten bei der Abreise nach rechts zeigen. Man kann anschließend weiter segeln, wobei man die Karten überlappend legt, so dass man die Ruder der Karten weiterhin sieht. Bei der Rückreise muss man insgesamt mindestens so viele Ruder sammeln, wie man auf der Hinreise verwendet hat, es darf aber auch "ein bisschen mehr sein". Wer will, kann auch aus seinem Geldvoorrat segeln, man segelt dann mit drei Rudern, wobei man damit natürlich sein Geld für die Endabrechnung vermindert

Wer zuhause ankommt, erhält eine Belohnung, die um so größer ausfällt, je weiter man gereist ist. Auch darf man die Rückreise nicht mehr für andere Aktionen unterbrechen.

Man beendet seine Hinreise, indem man erforscht: das letzte Schiff liegt mit der Spitze zum Spieler, und der Spieler zieht zweimal die Reiseentfernung in karten (Achtung: Handlimit ist 12!)Nach einer Runde Erforschen wird automatisch die Heimreise angetreten.

Zuhause kann man eine Ausstellung machen: Karten auslegen mit der Spitze weg vom Spieler. Hierbei ist nur die Farbe des Schiffs wichtig, nicht die Anzahl der Ruder.

Das Ausstellen ist wichtig, um verkaufen zu können: nur wenn alle fünf Warenarten ausgestellt werden, darf verkauft werden. Wenn verkauft wird, müssen alle Mitspieler, die gerade zuhause sind, sich entscheiden, ob sie (wenn ja, dann alle) ihre Güter verkaufen wollen.Der Wert der Güter ist abhängig davon, wie viel im markt vorhanden ist: das seltenste Gut bringt eine Dublone pro Schiff. Das häufigste Gut wurde von so vielen Leuten gesehen, dass es populär ist, und bringt eine Dublone für je zwei Schiffe. Alle dazwischen liegenden Güter sind 'commons' und bringen eine Dublone für drei Schiffe.

Das Spiel endet, wenn man zweimal durch das Kartendeck gespielt hat, oder wenn, nachdem das Deck einmal durchgegangen wurde, irgendwann alle SPieler zu Hause sind. Es werden noch einmalö Waren verkauft, wer danach das meiste Geld hat, hat gewonnen.

Es werden auch noch Regeln gegeben für Spiele mit 5 bis 8 Spielern. Hierfür benötigt man dann zwei Exemplare des Spiels.

Das Spiel spielt sich, wenn man einmal die Mechanismen verstanden hat, schnell und flüssig, mit einer Spieldauer von etwa einer halben Stunde. Man muss hier ständig im Auge behalten, welche Güter in der Ausstellung liegen, ob man verkaufen will, wie die Versorgungssituation sich durch die Mitspieler verändert und so weiter. Auch wenn man von der Regel ehr erst das Gefühl hat, dass man nebeneinander her spielen würde, stellt man schnell fest, dass die Kombination Ausstellung/Verkauf für viel Ärger und Freude sorgen kann, wenn man die Mitspieler beachtet.

Die Länge des Spiels ist auch ganz angemessen, es hat genau die richtige Länge für ein Spiel, das in einigen Teilen an Bohnanza erinnert.

Es hat auf jeden Fall den Preis voll und ganz verdient, und man kann es immer wieder gut spielen, auch weil der Glücksfaktor angenehm niedrig ist. Richtiges Taktieren hat hier einen wesentlich größeren Einfluss auf das Endergebnis als das Kartenglück.

HerstellerdV Games

Autor

Din Li

Spieler

2-4 (5-8 mit zwei Spielen)

Denken

7

Glück

4

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

in Deutschland nicht verfügbar (s.o.), aber international (z.B. in NL, CH, I etc.) erhältlich