x Roachware: Ein Hundeleben

Montag, 15. Oktober 2007

Ein Hundeleben

Dog Eat Dog

Heute ist bekanntlich Blog Action Day, ein Tag an dem Blogs aus aller Welt Aufmerksamkeit wecken und etwas tun wollen für die Umwelt. Sei es, dass sie einen Teil ihrer Werbeeinnahmen spenden, sei es, dass sie im Rahmen ihres Blogthemas etwas zum Thema Umwelt posten.

Es wäre natürlich leicht, irgendein 08/15-Spiel zum Umweltschutz zu nehmen, das ich irgendwo auf einer Webseite gefunden habe. Aber stattdessen habe ich einen echten Leckerbissen. Ein Spiel, das ich vor einigen Jahren bereits für den Nimwegener Spieleclub Casus Belli besprochen habe.

Aus Amerika kommt das Spiel Dog Eat Dog, das mit seinem Thema nicht nur eine bitterschwarze Wirtschaftssatire ist, sondern auch gleichzeitig die Auswirkungen des ungezügelten industriellen Raubbaus in de Natur darstellt. Um zu gewinnen, muss man die Umwelt ausnutzen, und wenn möglich die schädlichen Auswirkungen für sich selbst niedrig halten.

Leider ist das nicht so leicht wie es klingt. Auf jedem der 16 Produktionsfelder des Spielbrettes können Rohstoffe produziert werden, diese Rohstoffe in Fertigprodukte gewandelt und diese schließlich wieder verkauft. Aber jeder Produktionsschritt schafft auch Abfälle, die die Qualität der Felder verändert.

Zu Beginn ist die Landschaft in der Mitte des Spielfeldes noch eine Idylle, mit Wäldern, Bächen, Tieren etc. In dieser Landschaft gibt es aber auch Bodenschätze, und die gilt es auszubeuten. Hierbei hat man dann die Wahl, ob man aus einem Feld einen Rohstoff holt (was die Natur minimal belastet, aber eben auch die Produktion verlangsamt) oder zwei, womit die Natur stärker belastet würde, was einem aber auch mehr Geld einbringt.

Wenn die Landschaft zu sehr verschmutzt ist, verändert sie sich (das Feld auf dem Spielbrett wird durch eine Kachel belegt, die dieselbe Landschaft zeigt, aber schon etwas verschmutzt). Bei weiterer Verschmutzung wird sie schließlich noch 'unnatürlicher', und das Ende (eine andere Abdeckkachel) ist dann eine echte Industrieruine.

Man kann natürlich auch versuchen, den Müll den lieben Mitspielern aufs Auge zu drücken, oder sich mit seiner Firma auf das Verarbeiten von Müll spezialisieren, was den Nachteil hat, dass man zum Spielbeginn hinterherhinkt, und dann später eine große Aufholjagd starten muss.

Es geht aber nicht einfach nur darum, dass die Firma, die man leitet, das Geld erlangt; nein, das Geld muss der geneigte Manager auf seinem eigenen Schweizer Bankkonto haben. Und das heißt natürlich, es dem eigenen Unternehmen zu entziehen (der Staatsanwalt sagt auch 'Unterschlagung' dazu...)

Neben dieser Produktionsmechanik hat man auch die Chance, Politiker zu bestechen, Mitspieler bei der Polizei anzuzeigen, und was der konkurrenzbelebenden Maßnahmen mehr sind.

Wer nach etwa ein bis zwei Stunden die magische Grenze von 150 Millionen Dollar erreicht hat, kann sich zur Ruhe setzen ­- der erste, dem dies gelingt, ist der Sieger des Spiels.

Das Spielmaterial ist reichhaltig und schön. Die Schritte vom Idyll zur Ruine sind auf den Spielplanstücken hervorragend abgebildet, und man erschrickt, wenn man sieht, wie die Landschaft sich verändert. Die Möglichkeit, eine Recycling-Firma zu führen, die von den Abfällen der anderen lebt, ist auch interessant, und eine nette Idee.

Über die Spielanleitung kann man geteilter Meinung sein. Sie ist geschrieben als ein Manager-Handbuch für die ″Rinky Dink Corporation″ (″Mickrige Firma″), in dem in zynischem Ton beschrieben wird, welche Möglichkeiten man hat und wie die Regeln funktionieren. Es gibt Leute, die sie daher für schwerverständlich halten, ich hatte allerdings keine Probleme damit und fand den Zynismus erfrischend.

Das Spiel selber bietet nicht allzuviel Raum für eigene Taktiken, vieles ist ganz einfach vorgegeben. Dennoch ist es ohne weiteres ein guter Ersatz für die Standard-Monopolyrunde, wenn die Verwandtschaft zu Besuch kommt, und kann das Spiel auch gut ersetzen.

Herausgeber des Spiels ist (war?) Q.E.D. Games aus New York. Ich habe die Firma auf dem Internet nicht zurückgefunden, und frage mich, ob es sie überhaupt noch gibt. Das Spiel wird auf jeden Fall auch in Deutschland (und mit Deutscher Spielregel) noch verkauft. Wenn jemand Informationen hat über das Schicksal von Q.E.D. Games, bitte melden!

Hersteller

Q.E.D. Games (Schicksal unbekannt, scheint nicht mehr zu existieren)

Autor

Evan Jones

Sprache d. Spiels

Englisch, Dt. Spielanleitung

Spieler

2-5

Denken

5

Glück

6

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

45 $