x Roachware: Motorgeheul

Donnerstag, 5. März 2009

Motorgeheul

Powerboats

Es gibt nicht nur in Deutschland und Amerika erfolgreiche Spieleverlage, auch in anderen Ländern werden schöne Spiele produziert. Ein Verlag aus unserem nordwestlichen Nachbarland (NachbarLand kürzt man schließlich NL ab, oder nicht?) ist Cwali. Dieser Verlag, Eigentümer Corné van Moorssel, bringt jedes Jahr zur Spiel ein neues Spiel heraus, für das sich bereits im Vorfeld viele Leute interessieren.

Auf der letzten Spiel gab es ein Rennspiel um Rennboote. Diese Boote, die kaum noch Berührung mit dem Wasser haben, jagen mit Geschwindigkeiten bis weit über 250 km/h über die Seen - plötzlich auftauchende Inseln können das schon einmal unangenehme Auswirkungen haben

Unter dem sprechenden Namen Powerboats kann man das jetzt auch ganz ohne ausladende Seefläche auf dem Wohnzimmertisch spielen. Naja, eine ausladende Seefläche gibt es schon: der Tisch, auf dem man spielt, sollte ziemlich groß sein, sonst passt das Spielbrett nicht auf den Tisch.

In der Schachtel findet man folgende Teile:

  • ein vierteiliger Rahmen für das Spielbrett, mit Puzzleverbindern
  • sechs Seeflächen, die beidseitig bedruckt sind, und die beliebig in dem Rahmen zusammengesetzt werden können
  • fünf Bojen, die die Rennstrecke markieren
  • eine Hexfeldreihe mit Start-Ziel-Linie
  • 6 Rennboote in Plastik
  • 6 Punktemarker als Papp-Plattpöppel
  • 10 Schadensmarker
  • 18 dreiseitige Würfel
  • das Regelheft in Niederländisch, Deutsch, Englisch und Französisch

Die Würfel sind nicht die möchtegern-dreiseitigen Würfel, bei denen ein sechsseitiger Würfel zweimal mit den Zahlen 1, 2 und 3 gekennzeichnet wird, sondern 'echte' Dreiseiter: dreieckige Säulen mit abgerundeten Enden. Diese Würfel sind massive Plastikwürfel, 'blue pearlescent', wie der Fachmann sagt, und sehen hervorragend aus. Aber auch das restliche Spielmaterial ist sehr gut gelungen: das Auspöppeln der Bootsmarker und der Bojenteile, und auch das Zusammensetzen der Bojen geht gut von der Hand. Es gab bei mir keine Ausreißer (wenn ich persönlich auch ausmodellierte Bojen lieber gesehen hätte ;-) ). Die Pappe ist sehr stabil und handlich, das ganze Spiel macht trotz der Verpackung, die mich an ein Spiel aus den '80ern oder den frühen '90ern erinnert, einen hervorragenden Eindruck.

Die sechs Seeteile sind auf der einen (dunkelblauen) Seite mit Seeflächen mit wenigen Inseln, auf der anderen (hellblauen) Seite mit vielen Inseln bedruckt - da ein Powerboat nicht über die Inseln sondern nur darum herum fahren kann, sind die Rennstrecken daher auf den hellblauen Feldern schwieriger zu fahren. Man sollte also für die ersten Fahrstunden dem Tipp der Spielregel folgen und mit den dunkelblauen Seeteilen beginnen - auch damit sind bereits 46.080 verschiedene Seeflächen möglich. Wenn man die von den Spielbrettern vorgegebenen Bojenpositionen ignoriert, hat man also schon eine Menge zu tun.

Das Spiel geht, wie sollte es anders sein, darum, vom Start aus drei Bojen zu umfahren und so schnell wie möglich wieder die Start-Ziel-Linie zu überfahren. Dafür gibt es Punkte, wer in drei Rennen die meisten Punkte macht, hat gewonnen.

Nun sind Rennboote notoorisch unhandliche Gefährte, und man fragt sich unwillkürlich, wie das mit den Würfeln simuliert werden kann. Dafür hat man sich ein raffiniertes Würfelsystem ausgedacht.

Die Geschwindigkeit bestimmt sich, wie zu erwarten, aus den Punkten, die man mit den Würfeln erwürfelt. Allerdings darf man nur in gerader Linie fahren, und zu Beginn des Zuges maximal eine Drehung von 60 Grad durchführen. Außerdem wird die Geschwindigkeit grob eingestellt durch die Anzahl der Würfel.

Man beginnt mit einem Würfel, und kann jede Runde maximal einen (zusätzlichen) Würfel beschleunigen oder einen Würfel abbremsen. Wenn man also zum Beispiel eine Runde mit drei Würfeln gefahren ist, darf man die nächste Runde nur mit 2, 3 oder 4 Würfeln fahren. Um den Zufall aber nicht übermächtig werden zu lassen, darf man die Würfelergebnisse der vorigen Runde 'stehen lassen', sprich: die Würfel ohne würfeln mit derselben Zahl wiederverwenden. Das kann auch gemischt gehen: wenn es schnell gehen muss, kann man auch von 1-1-3 ausgehend, in der nächsten Runde nur die 3 liegen lassen, mit den beiden anderen Würfeln neu würfeln, und noch einen Würfel hinzutun.

Damit es keinen Streit gibt, was denn in der letzten Runde gewürfelt wurde, gibt es für jeden Spieler ein Ablagefeld für Würfel, wo man sie bis zur nächsten Runde lagern kann. Obwohl drei Würfel pro Person nach wenig klingt und auch die Ablageflächen groß genug sind für fünf Würfel, reichten in den Probespielen die 18 Würfel interessanterweise immer aus. Schließlich wird ein Boot mit höherer Geschwindigkeit schnell schwierig zu handhaben, und man kracht zu leicht auf eine Insel oder verfährt sich.

Ja, man kann sich übel verfahren: man muss die Würfelaugen so weit möglich ausfahren, auch wenn man dafür rechts abbiegen muss wo man eigentlich nach links will. Wenn man dann trotzdem noch auf eine Insel kracht, gibt es für jeden nicht ausgefahrenen Geschwindigkeitspunkt einen Schadenspunkt, und bei vier Punkten sinkt ein Boot bereit. Sind eben ziemlich zerbrechliche Dinger.

Ein Boot das auf Land aufschlägt, beginnt die nächste Runde als hätte es in der letzten Runde keinen Würfel gehabt. Es darf sich also nur drehen und mit maximal einem Würfel weiterfahren - je nachdem, wo es sich hin dreht, kann es aber auch sinnvoll sein, gar nicht vorwärts zu fahzrem weil sich immer noch eine Insel vor einem befindet.

Zwischen den Rennen kann man jeweils den Schaden reparieren - mit Ausnahme von einem Schadensmarker pro Rennen, bei dem man Schaden genommen hat. Wer also zweimal gesunken ist, fängt das dritte Rennen schon mit zwei Schadensmarkern an.

Da ist es nur gut, dass man sich nicht noch gegenseitig beschädigen kann, sondern nur, wenn ein Zug einen auf einem Feld enden lassen würde, wo sich bereits ein Boot befindet, das Boot auf dem letzten freien Feld vorher endet - Schaden für eine Insel kann es dennoch nehmen!

Obwohl das Würfelglück in diesem Spiel eine große Rolle spielt, ist der Einfluß der Spieler auf den Spielverlauf überraschend groß. Leider ist die Interaktion zwisachen den Spielern wenig ausgeprägt, man fährt ein wenig nebeneinander her, da man nur selten mit seinem Boot ein anderes behindern kann.Dennoch macht das Rennen viel Spaß, und ist auch für Gelegenheitsspieler gut geeignet. Ein wenig erinnert das Spiel mich an Formule Dé, obwohl die Ähnlichkeiten nicht sehr tief gehen. Wer Formule Dé liebt, wird auch an powerboats Freude haben, wer Rennspiele mag, sollte sich Powerboats auf jeden Fall ansehen. Es ist sicher nichts für Spieler, die schachmäßig über jedem Zug stundenlang grübeln wollen, aber ohne Überlegung und Chancenabwägung hat man ebenfalls keine Chance.

Wer es einmal ausprobieren will: auf Mastermoves kann man eine 2-Personen-version gratis spielen. Es gibt zwar ein paar kleine Unterschiede zum 'großen' Brettspiel, aber insgesamt gibt es doch einen guten Eindruck.

Hersteller Cwali
AutorCorné van Moorssel
Illustrationen Christof Tisch

Spieler

2-6

Denken

6

Glück

6

Geschicklichkeit

0

Preis ca.

25,50 €

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